Resistente Erreger bereiten immer größere Probleme und sind oftmals Ursache für inadäquate antimikrobielle Therapie. Die EU hat diese Tatsache erkannt und deshalb zwei Organisationen gegründet: EARSS (The European Antimicrobial Resistance Surveillance System) und ESAC (European Surveillance of Antimicrobial Consumption = Europadaten zum Antibiotikaverbrauch).
Um zwischen den Ländern vergleichbar zu sein, muss die Struktur der erhobenen Daten einfach sein. EARSS fokussiert daher auf einige wichtige Indikatorkeime. Zur besseren Vergleichbarkeit werden nur Keime aus invasiven Infektionen (aus Blutkulturen und Liquorproben) erfasst. Die Daten stammen aus der Routinediagnostik, somit werden die Kosten vertretbar gehalten.
In Österreich werden die für Österreich relevanten Daten im Resistenzbericht AURES des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend jährlich veröffentlich und sind über die Internetseite des Ministeriums frei zugänglich. Ansprechpartner von EARSS in Österreich sind die vom Ministerium nominierten Personen, nämlich Univ.-Prof. Dr. Walter Koller, Univ.-Prof. Dr. Helmut Mittermayer und MMag. Sigrid Metz-Gercek, die die Daten erheben und somit auch für die Berichterstellung verantwortlich sind.
Die im folgenden Abschnitt dargestellten Daten stammen aus dem Resistenzbericht AURES und einer Publikation von Mittermayer und Metz (siehe Literatur).
EARSS: Indikatorkeime
| Indikatorkeime | Untersuchungsmaterial |
| S. aureus | Blutkultur |
| S. pneumoniae |
Blutkultur oder Liquor |
| E. coli |
Blutkultur oder Liquor |
|
Entercoccus faecium |
Blutkultur |
| K. pneumoniae |
Blutkultur oder Liquor |
| P. aeruginosa |
Blutkultur oder Liquor |
Beispiele für Österreich:
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)
Einer der wichtigsten Indikatorkeime ist MRSA, Methicillin-resistenter (und gleichzeitig gegen die anderen Betalaktamantibiotika resistenter) Staphylococcus aureus. Der Anteil resistenter Stämme liegt im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern in Österreich auf relativ niedrigem Niveau – zumindest wenn man die Daten aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen betrachtet. Im Jahr 2007 war die Resistenzrate (MRSA-Anteil gemessen an S.-aureus-Isolaten) um 8,9%.
Abbildung: MRSA in Österreich

Streptococcus pneumoniae (S. pneumoniae)
Ist die häufigste Ursache von Pneumonien weltweit.
In Österreich waren die im Blut oder Liquor gefundenen Pneumokokken-Isolate zu 92,8% gegenüber Penicillin sensibel, zu 3,9% vermindert sensibel und 3,3% der Stämme waren resistent gegen Penicillin. Gegenüber den Makroliden zeigt sich ein dramatischeres Bild. Im Jahr 2005 waren bereits 13.6% der Stämme resistent – ein Wert, der beträchtlichen Impact auf die Verwendung dieser Substanzen in der empirischen Therapie hätte. Glücklicherweise ging die Zahl der resistenten Isolate im Jahr 2006 wieder deutlich zurück, und der Trend setzte sich 2007 fort und erreichte eine Resistenzmarke von 6,6%.
Abbildung: Makrolid-S.-pneumoniae-Resistenzentwicklung in Österreich (%)

Escherichia coli (E. coli)
E. coli ist der häufigste, aus Blutkulturen angezüchtete Erreger. Die Resistenzrate gegenüber Fluorchinolonen ist von 7% im Jahr 2001 auf 17% im Jahr 2004 und mittlerweile auf rund 26% im 1. Quartal 2007 angestiegen. Das bedeutet, dass etwa jeder 4. Patient mit einer schweren E.-coli-Infektion inadäquat mit diesem Antibiotikum behandelt wird. Der Anteil von Keimen mit Resistenz gegen Cephalosporine der dritten Generation (im Wesentlichen ESBL-positive E. coli) ist von 0% 2001 auf 7,1% im 1. Quartal 2007 angestiegen. Es wird vermutet, dass der Anstieg in der Häufigkeit von E. coli mit ESBL mit dem hohen Verbrauch von oralen Drittgenerations-Cephalosporinen zusammenhängen könnte.
Abbildung: E.-coli-Resistenz gegen Fluorchinolone

Pseudomonas aeruginosa (P. aeruginosa)
Ist ein klassischer Opportunist mit geringer Virulenz. Pseudomonas aeruginosa ist gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent. Die Resistenzdaten zeigen keinen einheitlichen Verlauf und undulieren: Fluorchinolone 11,5–14,4%, Ceftazidim 5,8–9%, Piperacillin/Tazobactam 6,2–8,8%, Peneme 8,5–12,2%.
ESBL (Extended-spectrum-Betalaktamase)
Betalaktamasen sind Enzyme, die durch Bakterien produziert werden und die die Fähigkeit haben, Betalaktamantibiotika zu inaktivieren (Penicilline, Cephalosporine), extended-spectrum-Betalaktamasen, Attribut extended spectrum,, weil sie nicht nur die ursprünglichen Betalaktamantibiotika, sondern auch die sogenannten Breitbandcephalosporine der 3. Generation (wie z.B. Ceftriaxon, Cefotaxim und Ceftazidim) und die Monobaktame (Aztreanam) hydrolisieren. Sie werden hauptsächlich bei Klebsiella und E. coli gefunden, aber zunehmend auch bei anderen Vertretern der Familie der Enterobacteriaceae (wie Proteus, Enterobacter, Salmonellen) und P. aeruginosa. Die Besonderheit ist, dass sie Plasmid-vermittelt übertragen werden und somit auch horizontal weitergegeben werden können, und zwar nicht nur innerhalb einer Spezies, sondern auch zwischen verschiedenen Spezies. Hauptursache für die Entstehung von ESBL-produzierenden Bakterien dürfte der übermäßige Verbrauch von Cephalosporinen der 3. Generation sein.
Bakterien mit ESBL sind zusätzlich häufig auch resistent gegen Chinolone und Aminoglykoside. Als Therapie der Wahl bei invasiven Infektionen gelten Carbapeneme – vor allem Ertapenem, da es im Vergleich zu Imipenem und Meropenem keinen Selektionsdruck auf P. aeruginosa ausübt.
